Aktionen

Durch Aktionen im öffentlichen Raum wird die Aufmerksamkeit der Passanten gebannt. Sie sehen etwas Ungewöhnliches, das nicht in ihren Alltag passt. Automatisch verlangsamt die geweckte Neugierde die Schritte der sonst so hektisch rennenden Menschen. Sie interessieren sich für das Außergewöhnliche und wollen wissen, was es ist und was es zu bedeuten hat. Sie beginnen also über die Aktionen nachzudenken und sich im Kontext selbst zu reflektieren.

 

tagedieb hat sich zum Ziel gesetzt, die Menschen auf die Notwenigkeit des „sich mehr Zeit nehmens“ und „mehr Muße tuns“ aufmerksam zu machen.

 

 

 

tagedieb. Flugblätter

Keine Bewegung ohne Flugblätter.

 

Flugblätter. Nicht SMS, nicht Flyer, nicht Pop-Up, nicht Spam-Mail.

Sondern traditionell hergestellte, unaufdringliche Denkanstöße. Denkzettel.

Fliegende Gedanken. Flugblätter.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 


 

 

Die neuste tagedieb-Aktion. Acht verschiedene Motive lenken die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Große Farbflächen und einfache Formen wecken die Neugierde. Eine zeitversetzte Technik der Informationsübermittlung macht das Ganze zusätzlich spannend.

 

Alle Motive entstanden durch Linoldruck auf Zeitung. Der Linoldruck ist eine zeitintensive Form des Gestaltens, es brauchte also viel Muße, um die Bilder und Worte einzuritzen. Gedruckt wurde auf den Börsenteilen der FAZ und der Rheinischen Post.

 

 

 

 

Nimm dir die Zeit

Die Uhr ist das Messgerät, das die Zeit einteilt, den Tag eines Jeden bestimmt und begleitet. Wir lassen uns von ihr leiten, es ist beruhigend zu wissen, dass man sie stets bei sich hat, ob am Handgelenk, auf dem Handy, dem Bildschirm oder an der Wand. Doch oft genug lassen wir uns auch von ihr kontrollieren und hetzen. Wir schauen ununterbrochen auf die Uhr, um zu sehen, ob man noch in der „richtigen“ Zeit liegt, in vorgegebenen Zeiten der Gesellschaft, die es einzuhalten gilt, um nicht aus der Reihe zu tanzen. Warum sollte man sich nicht auch einmal die Zeit nehmen? Im wahrsten Sinne des Wortes, einen Tag lang einfach alle Uhren ignorieren und wegsperren. Einmal alles aus dem Instinkt heraus angehen. Ich wache auf, weil die Sonne mich weckt, nicht der Klingelton meines Weckers. Ich esse zu Mittag, wenn ich hungrig bin und nicht, weil es 12.30 Uhr ist. Ich gehe in Ruhe los und schaue, welchen Bus ich erwische. Losgelöst von Vorgaben, sondern ganz nach eigenem Rhytmus.

 

 

 

 



Mehr Muße

Dieses Plakatmotiv ruft unmissverständlich und direkt zu „mehr muße“ auf. Die typografische Gestaltung wirkt ehrlich und beruhigend durch seine Einfachheit. Der zeitlich versetzte Aufbau des gesamten Plakates wird hier besonders deutlich, da man versucht zu entschlüsseln welche Worte gemeint sind.

 

 

 

 

 

 


 

Drei Sekunden

Einundzwanzig … zweiundzwanzig … dreiundzwanzig … das sind wertvolle drei Sekunden. Studien zufolge hat das menschliche Gehirn ein Aufmerksamkeitsfenster von drei Sekunden. Danach sucht es sich einen neuen Reiz. So wird ein Plakat und sein Inhalt nur dann wahrgenommen, wenn es den Betrachter innerhalb der ersten drei Sekunden einfängt, ansonsten geht man einfach vorüber. Überladene Werbeflächen oder Anzeigen sind daher oft schwer zu begreifen.

 

Auch beim Sprechen sind kleine Pausen, eben von drei Sekunden, notwendig. Zum einen, um seine eigenen Gedanken zu sortieren, einmal durchzuatmen und erst dann zu sprechen, zum anderen, um den Zuhörer das Gesagte verarbeiten und verstehen zu lassen. Wer ohne Punkt und Komma redet, hetzt sich und damit auch andere unnötig ab. Gute Redner profitieren von Kunst- und Verständnispausen.

 

Es gibt jedoch einen gewissen Interpretationsspielraum, sodass Assoziationen mit z.B. dem Zählen der Sekunden von Blitz bis Donner oder der Gedanke ans Versteckenspielen, möglich sind.

 

 

 

 

 

 

 

Moltke-Rede

„Meine Herren, der Kaiser, Hurra, Hurra, Hurra.“  Nur ein Satz und doch eine ganze Rede. Gehalten zu Ehren des Kaisers von Helmuth Graf von Moltke, dem „großen Schweiger“. Es ist eine Kunst, das Gesagte mit dem zu Sagenden so auf den Punkt zubringen, ohne große Reden zu schwingen.

 

 

 

 

 

 

Stoiber-Rede

 

Hier ist die halbe Transrapid-Rede von Edmund Stoiber abgedruckt. Insgesamt redete der ehemalige Ministerpräsident zehn Minuten über den Neubau des Transrapids und doch sagte er Nichts. Sein unüberlegtes Gestottere hatte keinen Inhalt. So ist es also egal, ob man Buchstaben abdruckt oder leere Kästchen, wie sie entstehen, wenn ein Schreibprogramm die Schrift nicht erkennt.

 

„Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München mit zehn Minuten ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen am … am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug zehn Minuten – schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an wenn Sie in Heathrow in London oder sonst wo Charles de Gaulle in äh Frankreich oder in äh in … in Rom wenn Sie sich mal die Entfernungen ansehen, wenn Sie Frankfurt sich ansehen dann werden Sie feststellen dass zehn Minuten Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen um Ihr Gate zu finden – wenn Sie vom Flug äh vom Hauptbahnhof starten Sie steigen in den Hauptbahnhof ein Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen Franz Josef Strauß dann starten Sie praktisch hier am Hauptbahnhof in München – das bedeutet natürlich dass der Hauptbahnhof im Grunde genommen näher an Bayern an die bayerischen Städte heranwächst weil das ja klar ist weil aus dem Hauptbahnhof viele Linien aus Bayern zusammenlaufen.“

 

 

 

 

 

Handy vs. Brief

Heutzutage hat jeder ein Handy, wenn nicht gar zwei. Es wird telefoniert, SMS verschickt, gechattet, Emails versendet, etc. Man ist immer erreichbar und erreicht jeden, den man erreichen will, wann immer man will. Und das alles sofort. Durch die Quantität und Schnelllebigkeit dieser Nachrichten, werden die Informationen und Botschaften, die man über diese Wege versendet, vergänglich und unbedeutend.

Ein Brief, der per Post verschickt wird und auf den man warten muss, hat einen großen Wert, der  nicht in Vergessenheit geraten sollte.

 

 

 

 

 

Sieben Infos

In abstrakter Form gehen wir hier auf das Phänomen ein, dass sich das menschliche Gehirn nicht mehr als sieben Informationen auf einmal merken kann. Die zu sehenden Formen wirken auf den ersten Blick wie Buchstaben, schaut man genau hin kann man sie aber doch nicht lesen. Denn es sind Formen, die aus der Clarendon abstrahiert wurden. Auf der linken Seite herrscht eine willkürlich platzierte Menge dieser Segmente, auf der rechten Seite erkennt man nur noch sieben, die geordnet untereinander platziert wurden. Das Motiv ist also durchaus auch als Kontrastdarstellung von „viel“ und „wenig, sortiert“ zu verstehen.

 

 

 

 

 

Schaukelstuhl

Schaukelstühle sind neben Hängematten wohl die müßigsten Möbelstücke. Beim Schaukeln wird das Glückshormon Serotonin ausgeschüttet, dass uns ausgeglichen und zufrieden macht. Es gibt kaum vergleichbar gemütlich und entspannende Momente wie die in einem Schaukelstuhl.

 

 

 

 

Linoldruck

 

So entstanden die Plakte…

 

 

 


 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 



 

 

 

tagedieb. Paternoster

 

Der Paternoster ist, genau wie ein gewöhnlicher Aufzug, ein Überbrückungsort und wird meist mit Ungeduld betreten. Auch hier wollen wir darauf aufmerksam machen, dass diese Wartezeit keine verlorene ist, sondern man sie für sich und seine geistige Gesundheit nutzen sollte. Deshalb haben wir kleine, nur für den Fahrer ersichtliche, Nachrichten angebracht, die auffordern, sich die Zeit zu nehmen, einmal komplett mit dem Paternoster rumzufahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Muße-Orte in Krefeld

Wer in Krefeld die Augen aufhält, könnte ab jetzt solch einem grünen Pfeil begegnen. Dafür muss er sich aber auch am richtigen Fleck aufhalten, denn tagedieb hat bis jetzt nur eine ganz erlesene Anzahl von Orte markiert. Neben Parks gibt es natürlich noch mehr, und zwar richtige, Ruheorte. In Kirchen und Museen beispielsweise herrscht meistens Stille. Aber auch in Galerien, kleinen Cafés, Buchhandlungen oder Bibliotheken ist Ruhe vorzufinden. Diese Orte werden besonders gekennzeichnet, um damit eine Empfehlung auszusprechen: An diesen Orten fällt der Müßiggang besonders leicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

tagedieb. Warten und Schaukeln

 

Das Schaukeln ist eine besonders schöne Form der Muße. Es ist eine Tätigkeit, die man nur um ihrer selbst Willen tut. Man versinkt ganz im Hier und Jetzt und konzentriert sich nur auf die Bewegung. Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass beim Schaukeln der Botenstoff Serotonin ausgesetzt wird. „Ein Glückshormon, das uns emotionale Ausgeglichenheit, Gelassenheit, inneren Frieden, Ruhe und Zufriedenheit gibt“ 37 und somit ein effektiver Gegenspieler von Stress und Hektik ist.

Um das Glück des Schaukelns in die Köpfe der Beschleunigungsgesellschaft zu bringen, haben wir eine Installation von vier Schaukelstühlen am Bahnhof errichten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

tagedieb. Auf und Ab

 

Was passiert, wenn ein tagedieb Aufzug fährt? Hier wird eine weitere tagedieb Aktion vorgestellt. Man benutzt sie, um schnell von A nach B zu gelangen, befindet sich also meist zwischen zwei Terminen oder Vorlesungen. Oft ist man ungeduldig und gehetzt, um nicht zu spät zu kommen. In Büro- oder Universitätsgebäuden sind besonders Aufzüge Räume der Hektik. Dabei bieten gerade die Fahrten in Aufzügen eine oft dringend benötigte Verschnaufpause. Hier kann man ein paar Minuten abschalten, denn außer warten und sich fahren lassen, muss man nichts tun. Dieses Nichtstun sollte man nutzen.

Durch Schilder neben den durchnummerierten Etagenknöpfen, lenken wir die Gedanken der Fahrgäste ab vom Stress, und hin zum genießen der Muße. Am Knopf der fünften Etage steht so zum Beispiel: „Nimm dir 5 Minuten, um frische Luft zu schnappen“. Oder an der dritten Etage: „Nimm dir 3 Tage, um ein Buch zu lesen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schattenspiel

Warten auf den richtigen Sonnenstand. Zwei Plexiglasscheiben sind je mit einem nicht lesbaren Teil des Logotypes beschriftet. Sie wurden mit einer Konstruktion an einer Straßenlaterne befestigt. Nur einmal am Tag steht die Sonne so, dass der Schattenwurf das Wort wieder zusammensetzt und sich das Logo als Schatten an der Wand ergibt. Diese Aktion fordert ein besonders hohes Maß der Muße. Da der richtige Sonnenstand nur ca. zwischen 12 Uhr und 12.30 Uhr, Sommerzeit, erfolgt, müssen sich die meisten Passanten sehr viel Zeit nehmen, um die Botschaft zu entschlüsseln.

 

 

 

 

 

 


 

Lärm und Stille

Heutzutage ist es, gerade für Städter, schwer einen Ort zu finden, der ruhig ist und zum Entspannen

einlädt. Viele suchen diese Stille in öffentlichen Parks. Zu viele. Parks sind zwar eigentlich als ein solcher Ruheort angelegt, zeigen sich in der Praxis aber meist genau gegenteilig. Sie sind überfüllt, laut und hektisch. Als besonders gutes Beispiel zeigt sich der Krefelder Stadtwald. Um hier Aufmerksamkeit zu erregen, hängen wir einige Gehörschütze an Bäume in besonders belebten Regionen des Parks. Wer nun neugierig wird, setzt sich die Ohrenschützer auf. Durch die Ausblendung der Geräusche im Park wird die Wahrnehmung verändert. Der Effekt beim Wiederabnehmen des Schutzes ist beeindruckend. Man nimmt nun alles noch lauter und intensiver wahr. Dieser Gegensatz in der Geräuschkulisse führt unweigerlich zum weiteren Nachdenken über Stille und Lautstärke, und somit über Ruhe und Stress.